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Luftfahrt Schritt für Schritt · Schritt 2

Wie entsteht Auftrieb? Ein verbreiteter Irrtum und die richtige Erklärung

Warum ist „die Luft oben legt einen längeren Weg zurück und wird deshalb schneller“ falsch? Wir erklären, wie eine Tragfläche die Luft umlenkt und woher der Druckunterschied kommt.

9. Oktober 20263 Min. Lesezeit9-mal gelesenSVR AEROTECH

Das Original dieses Beitrags ist auf Türkisch; die Übersetzung stammt von SVR AEROTECH. Türkçe

Im ersten Schritt haben wir gesagt, dass die Kraft, die ein Flugzeug in der Luft hält, der Auftrieb ist und dass ihn die Tragflächen erzeugen. In diesem Schritt sehen wir uns an, wie die Tragfläche diese Kraft erzeugt. Zuerst räumen wir mit einem sehr verbreiteten Irrtum auf.

Der verbreitete Irrtum: „gleiche Laufzeit“

Viele Quellen erklären es so: Die Oberseite der Tragfläche ist stärker gewölbt, also länger. Luftteilchen, die sich vor der Tragfläche trennen, müssen sich hinter ihr gleichzeitig wieder treffen. Da die Luft oben einen längeren Weg zurücklegt, strömt sie schneller; schnellere Luft hat einen geringeren Druck, und dieser Druckunterschied drückt die Tragfläche nach oben.

Das klingt logisch, aber die Grundlage dieser Erklärung ist falsch. Die NASA und Lehrmaterialien der Aerodynamik sagen das deutlich:

Die richtige Erklärung: Die Tragfläche lenkt die Luft um

Eine Tragfläche ändert die Richtung der Luft, durch die sie sich bewegt. Eine angestellte oder gewölbte Tragfläche lenkt die Luft, die über und unter ihr strömt, nach unten ab. Diese abwärts gerichtete Strömung hinter der Tragfläche nennt man Abwind (downwash).

Stromlinien um ein Tragflächenprofil: oben Unterdruck, unten Überdruck, dahinter Abwind
Abbildung 1 · Die Tragfläche lenkt die Luft über und unter ihr nach unten ab. Auf der Oberseite sinkt der Druck, auf der Unterseite steigt er; der Unterschied erzeugt den Auftrieb. Die Stromlinien sind mit einem reibungsfreien Strömungsmodell (Joukowski-Profil) berechnet.

Man kann das auf zwei Arten betrachten, und beide sind richtig:

Aus Newtons Sicht

Die Tragfläche drückt die Luft nach unten. Nach dem dritten newtonschen Gesetz drückt die Luft die Tragfläche mit einer gleich großen Kraft nach oben. Je stärker Sie die Richtung der Luft ändern, desto mehr Auftrieb entsteht.

Aus Sicht des Druckunterschieds

Folgt Luft einer gekrümmten Bahn, sinkt der Druck auf der Innenseite dieser Krümmung. Entlang der Oberseite biegt sich die Luft um die Tragfläche nach unten, und der Druck auf der Oberseite fällt unter den Umgebungsdruck. Auf der Unterseite steigt der Druck leicht an. Dieser Druckunterschied zwischen Ober- und Unterseite erzeugt die Nettokraft, die die Tragfläche nach oben drückt. Wo der Druck sinkt, wird die Luft schneller; genau diesen Zusammenhang beschreibt die Bernoulli-Gleichung.

In den Worten der NASA sind „Bernoulli“ und „Newton“ keine konkurrierenden Erklärungen, sondern zwei Seiten desselben Vorgangs. Ob Sie die Druckverteilung über die Tragfläche aufsummieren oder die Impulsänderung der Luft berechnen, Sie erhalten dieselbe Auftriebskraft.

Warum ist das wichtig?

Selbst ausprobieren

Ein symmetrisches Profil erzeugt bei null Grad Anstellwinkel keinen Auftrieb, ein gewölbtes schon. Ändern Sie den Winkel, vergleichen Sie beide Profile und sehen Sie, was bei negativen Winkeln passiert.

Für dieses interaktive Werkzeug muss JavaScript im Browser aktiviert sein.

Der nächste Schritt

In einer einzigen Gleichung sehen wir, von welchen Größen der Auftrieb abhängt: Warum vervierfacht sich der Auftrieb bei doppelter Geschwindigkeit, und warum brauchen Flugzeuge an hoch gelegenen und heißen Orten längere Pisten?

Im Labor ausprobierenVergleichen Sie im Konstruktionsbereich die Profile NACA 0012 (symmetrisch) und NACA 2412 (gewölbt); auch eine symmetrische Tragfläche erzeugt über den Anstellwinkel Auftrieb.
Labor öffnen →

Quellen

  1. NASA Glenn Research Center. Equal Transit Theory Interactive
  2. NASA Glenn Research Center. What is Lift?
  3. NASA Glenn Research Center. Bernoulli and Newton
  4. Babinsky, H.. How do wings work? Physics Education, 38(6), 497–503 (2003). University of Cambridge, Department of Engineering

Dieser Beitrag wurde von SVR AEROTECH unter Verwendung der oben genannten Quellen eigenständig verfasst; die Abbildungen gehören SVR AEROTECH. Zitierte Informationen gehören den jeweiligen Quellen.

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